Fieber ist keine Krankheit, sondern eine Abwehr- und Heilreaktion des Organismus. Es kann uns aber verunsichern, ist aber in Wahrheit ein wichtiges Signal unseres Immunsystems.
Statt Fieber sofort zu senken, kann man es unter Beobachtung wirken lassen. Entscheidend dabei ist das Wohlbefinden des Kindes.
Kinder wachsen nicht dadurch, dass wir ihnen jede Schwierigkeit abnehmen. Sie brauchen liebevolle Begleitung, während sie eigene Herausforderungen durchleben. Dazu gehören auch Infekte mit Fieber. Solche Erfahrungen können Kinder innerlich stärken und ihnen helfen, ihre Grenzen besser wahrzunehmen.
Fieber zeigt oft, dass der Körper auf Hochtouren arbeitet: eine Art „Mobilmachung“, um etwas Wichtiges zu bewältigen. Das spiegelt sich sogar in unserer Sprache wider. Wir „fiebern“ einer Sache entgegen, wenn wir innerlich angespannt, aufgeregt oder voller Erwartung sind.
Manchmal zeigt sich dieses innere Erleben bei Kindern auch körperlich. Viele fiebern zum Beispiel an Weihnachten oder vor dem Geburtstag, weil die Vorfreude, Spannung und innere Bewegung so gross sind, dass sie kaum Ausdruck finden kann. Der Körper übernimmt dann gewissermassen die Bühne und zeigt diese intensive Dynamik im Fieber.
Fieber ist ein natürlicher Helfer, kein Gegner. Wenn wir lernen, es zu verstehen, schenken wir unseren Kindern Ruhe, Vertrauen und eine gesunde Sicht auf Krankheit.
Die genaue Höhe des Fiebers ist weniger entscheidend. Viel wichtiger ist, dass das Kind weiterhin ausreichend Flüssigkeit aufnimmt und über Urin, Schweiß und gegebenenfalls den Stuhlgang ausscheiden kann.
Ebenso zählt, ob das Kind wach, ansprechbar und kommunikationsfähig bleibt und ob es zur Ruhe kommen, schlafen und sich erholen kann.
Auch Werte um 40 Grad sind nicht grundsätzlich gefährlich, sofern das Kind sorgfältig beobachtet wird. Wichtig wäre in jedem Fall die Unterstützung durch einen erfahrenen Homöopathen.
Unterstützende Massnahmen bei Fieber:
- Eine homöopathische Unterstützung ist immer sinnvoll.
- Dem erhöhten Schlafbedürfnis des kranken Kindes nachgeben und Schlaf jederzeit ermöglichen. Das heisst auch bei langen Schlafphasen tagsüber das Kind nicht wecken, selbst wenn die Nacht dadurch unruhiger werden könnte.
- Für eine liebevolle und fürsorgliche Begleitung sorgen und auf eine ruhige Atmosphäre achten, damit sich das Kind geborgen und gut betreut fühlt. Reize minimieren: gedämpftes Licht, leise Umgebung.
- Das Kind mit ruhigen Aktivitäten wie Vorlesen oder Erzählen begleiten.
- Häufig Getränke anbieten, damit der Flüssigkeitshaushalt gut ausgeglichen bleibt. ==>Tee aus Linden- oder Holunderblüten (bei Bedarf mit Honig leicht süssen) kann das Schwitzen anregen und die Ausscheidung unterstützen. Alternativ eignen sich verdünnte Fruchtsäfte oder leichte Bouillon.
- Warmes Fussbad. Es entspannt, beruhigt und fördert den Schlaf. Dabei Eimer mit 36 Grad warmem Wasser füllen. Beide Beine bis zu den Knien ins Wasser eintauchen. Während der Badedauer immer wieder warmes Wasser nachfüllen, so dass das Wasser nicht abkühlt. Beine und Füsse abtrocknen und warme Socken anziehen.
Wann wird Fieber kritisch:
- Säuglinge unter 6 Monate
- Wenn das Kind benommen, apathisch wirkt und nicht antwortet
- Wenn es durstlos ist und nicht schwitzen kann
- Wenn das Fieber länger als 3 Tage anhaltet
- Das Kind unerklärliche Schmerzen hat. Es zu Krämpfen oder Nackensteife kommt
Ein bewusster Umgang mit Fieber erfordert Wissen, Beobachtung und Vertrauen in die Regulationsfähigkeit des kindlichen Organismus. In der Begleitung von Eltern zeigt sich immer wieder, dass Sicherheit nicht durch das sofortige Senken der Temperatur entsteht, sondern durch das Verstehen der Zusammenhänge und das richtige Einschätzen des Allgemeinzustands des Kindes.
Fieber darf Raum haben, solange das Kind gut begleitet wird und keine Warnzeichen auftreten. Gleichzeitig entlastet es Eltern, klare Orientierung zu haben, wann Unterstützung sinnvoll ist und wann ärztliche Abklärung notwendig wird. Eine ganzheitliche Betrachtung verbindet beides: das Respektieren natürlicher Heilprozesse und die Verantwortung, das Kind aufmerksam, kompetent und umsichtig zu begleiten.

